Im Rahmen von NextGenerationEU begibt die Europäische Kommission grüne Anleihen, um förderfähige grüne Ausgaben über die Aufbau- und Resilienzfazilität (RRF) zu finanzieren und zu refinanzieren. Für den Berichtszeitraum 2024 umfasst das Programm 5.705 Projekte und €264,85 Mrd. förderfähige Ausgaben. Davon wurden 2024 €88,04 Mrd. als ausgegeben berichtet – rund ein Drittel der förderfähigen Ausgaben.
Wohin das Geld fließen darf und welche Ausgaben 2024 nach Kategorie berichtet wurden, in Mrd. €:
| Kategorie | Förderfähig | Ausgegeben 2024 |
|---|---|---|
| Sauberer Verkehr & Infrastruktur | 72,38 | 14,87 |
| Energieeffizienz | 67,76 | 18,51 |
| Saubere Energie & Netze | 61,02 | 3,83 |
| Wasserversorgung & Abfallwirtschaft | 21,43 | 1,52 |
| Forschung & Innovation (grüner Wandel) | 20,57 | 2,53 |
| Sonstiges | 7,52 | 1,02 |
| Anpassung an den Klimawandel | 7,30 | 1,39 |
| Naturschutz, Renaturierung & Biodiversität | 6,15 | 0,65 |
| Digitale Technologien (grüner Wandel) | 0,44 | 0,01 |
Die beiden Ausgabengrößen auf dieser Seite stimmen nicht überein, und wir haben das so belassen. Die Spalte „Ausgegeben 2024" summiert sich auf €44,33 Mrd., nicht auf die auf Programmebene berichteten €88,04 Mrd.; die Spalte „Förderfähig" stimmt dagegen überein, mit €264,57 Mrd. gegenüber €264,85 Mrd. Die Kategorientabelle und die Programmsumme werden in unterschiedlichen Quelltabellen veröffentlicht, mindestens eine der beiden Ausgabengrößen ist also an der Quelle falsch. Beide sind hier exakt so wiedergegeben, wie sie veröffentlicht wurden. Eine an die andere anzupassen würde die Seite ordentlicher machen und die Evidenz schlechter.
Programm-Anleihen (ISINs): EU000A3K4DW8, EU000A3K4C42, EU000A3K4DG1, EU000A3K4DM9, EU00043K4EU0, EU00043K4DW8, EU00043K4DM9.
Auf Programmebene ist damit dokumentiert, wohin grünes Kapital fließen soll und welche Ausgaben berichtet wurden. Für Investoren, Datenanbieter, Prüfer und andere Empfänger dieser Berichte bleibt jedoch oft schwer nachvollziehbar, wie sich diese Finanzierungsströme an konkreten Standorten niederschlagen.
Für diese Data Story haben wir drei EU-finanzierte Projekte aus dem NextGenerationEU-Green-Bond-Programm auf konkrete Standorte zurückgeführt und mit Satellitendaten von 2017 bis 2025 geprüft. Die Projektakte beschreibt, was finanziert wurde. Die Satellitenbilder und Messreihen zeigen, welche Veränderungen am Standort sichtbar sind.
Die drei Fälle zeigen unterschiedliche Befundlagen: eine sichtbare Abweichung zwischen Projektstatus und Satellitenbefund, eine klare Bestätigung und einen Teilbefund, bei dem die technische Umsetzung sichtbar ist, die ökologische Entwicklung aber noch nicht.
Kernbefunde
- Frankreich: Der Abriss der alten Fabrik ist in den Satellitendaten klar nachvollziehbar. Ein Neubau der 25 Sozialwohnungen ist in den ausgewerteten Bildern bis Mitte 2025 jedoch nicht erkennbar.
- Spanien: Die Erweiterung des Wasserkraftwerks Portodís ist am Standort sichtbar nachvollziehbar. Die berichtete Maßnahme und der Satellitenbefund sind konsistent.
- Kroatien: Die technische Deponieabdeckung ist sichtbar abgeschlossen. In den Temperatur- und Vegetationsdaten zeigt sich jedoch weiterhin eine warme, weitgehend unbewachsene Oberfläche. Die technische Umsetzung ist damit nachvollziehbar, die ökologische Regeneration bislang nicht.
Die Analyse basiert auf deterministischen Fernerkundungsmessungen: Sentinel-2-Spektralindizes, ECOSTRESS-Oberflächentemperatur und topografische Geländedaten. Es geht nicht um KI-Interpretation, sondern um nachvollziehbare Messreihen, die von der Rohaufnahme bis zum Befund rückverfolgbar bleiben.
Nach Kategorie, in Mrd. €. Dieselben neun Zeilen wie in der Tabelle oben – der Abstand zwischen beiden Reihen ist der Punkt.
- Förderfähig
- Ausgegeben 2024
Wo wir hingesehen haben
Die drei analysierten Standorte wurden auf ihre konkreten Koordinaten verortet: Frankreich, Spanien und Kroatien.
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Standort: 48°01′16.0″N 0°16′36.8″E
Frankreich – Yvré-l'Évêque, bei Le Mans
Brachfläche → 25 Sozialwohnungen · €1,7 Mio. gesamt, €610.000 aus EU-Mitteln · 48°01′16″N 0°16′37″E
Das Projekt betrifft die Umwandlung eines ehemaligen Fabrikgeländes am Ufer der Huisne in Sozialwohnungen. Die Projektakte führt das Vorhaben seit Frühjahr 2023 als fertiggestellt.


Zwei Sentinel-2-Aufnahmen, Juli 2022 und Juli 2025, rahmen die Veränderung ein. In der ersten Aufnahme ist die Fabrik noch sichtbar. In der zweiten ist das Gebäude entfernt und das Gelände geräumt. Auf den ausgewerteten Bildern von 2025 ist auf der Fläche kein Neubau der 25 Sozialwohnungen erkennbar.

Die Spektraldaten sind mit dieser Beobachtung konsistent. Der NDVI fällt um 31,9 %, passend zur Veränderung von Vegetation und Oberflächenstruktur im Zuge der Räumung. Der BSI – der Bare-Soil-Index – fällt um 92,3 %, was auf eine deutliche Veränderung der offenen Industriefläche hinweist. In den ausgewerteten Indizes ist kein Muster erkennbar, das auf einen abgeschlossenen Neubau auf der Fläche hindeutet.

Die Geländeanalyse ergänzt den Standortkontext. Der Standort liegt in einem Flussbecken auf etwa 48 m Höhe, überwiegend in flachem Gelände mit einer mittleren Neigung von 3,7°. Ein HAND-Screening des an das Entwässerungsnetz angebundenen Teils – etwa 13 % des Rasters – verortet 19,4 % dieser Fläche im hohen Hochwasserbereich unter 2 m über dem Vorfluter, 24,3 % im mittleren Bereich und 56,3 % im niedrigen Bereich.
Das ist ein topografisches Screening, kein hydraulisches Hochwassermodell. Es enthält keine Niederschlags-, Abfluss- oder Szenarienmodellierung.


Die vorbereitende Maßnahme ist in den Satellitendaten klar sichtbar: Das ehemalige Fabrikgebäude wurde entfernt und die Fläche geräumt. Die berichtete bauliche Fertigstellung der 25 Sozialwohnungen lässt sich in den ausgewerteten Bildern bis Mitte 2025 jedoch nicht nachvollziehen. Ergänzend zeigt das topografische Screening eine potenzielle Hochwasserexposition von Teilen des Standorts an der Huisne.
Standort: 42°52′55.6″N 8°01′08.2″W
Spanien – Portodís, Santiso (Galicien)
Erweiterung Wasserkraft an der Furelos · €642.301 · +1,6 MW Turbinenleistung · 42°52′56″N 8°01′08″W
Das Programm förderte eine Erweiterung des kleinen Wasserkraftwerks Portodís um 1,6 MW Turbinenleistung.

Zwei Bauwerke wurden getrennt geprüft: das Maschinenhaus und das Wehr. In Bildern von Mai 2023 und September 2025 sind beide erneuert. Das Maschinenhaus weist ein neues Dach auf, das Wehr wurde baulich verändert.
| 26.05.2023 – Wehr | 17.09.2025 – Wehr |
|---|---|
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| 26.05.2023 – Maschinenhaus | 17.09.2025 – Maschinenhaus |
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Portodís – Wehr und Maschinenhaus, Mai 2023 und September 2025.

Die Spektralreihe über 2017–2025 ist konsistent mit Bautätigkeit und anschließender Stabilisierung der Fläche. Der NDVI sinkt um 51,1 %, der stärkste Rückgang der drei Standorte, passend zu Eingriffen in Vegetation, Erdarbeiten und neuen Zufahrten. Der NDWI steigt um 49,4 %, was auf eine stärkere Präsenz offener Wasserflächen im Bild hinweist. Die BSI-Volatilität sinkt nach Abschluss der Arbeiten, was auf eine stabilere Oberflächensituation nach der Bauphase hindeutet.

Die berichtete Maßnahme ist am Standort sichtbar nachvollziehbar. Die baulichen Veränderungen an Wehr und Maschinenhaus sind in den ausgewerteten Bildern erkennbar. Gerade diese Bestätigung ist für Green-Bond-Reporting relevant: Sie reduziert Unsicherheit, schafft externe Evidenz und macht eine Projektangabe unabhängig prüfbar.
Standort: 45°25′13.0″N 13°35′07.4″E
Kroatien – Donji Picudo Ost, Umag (Istrien)
Deponiesanierung · €3,34 Mio. · 30.000 m², zwei Phasen (2016 und 2025) · 45°25′13″N 13°35′07″E
Das Projekt betrifft die Sanierung einer geschlossenen Deponie für nicht gefährlichen Abfall an der istrischen Küste. Die Fläche wurde technisch abgedeckt und soll wieder nutzbar gemacht werden.


Die technische Abdeckung ist sichtbar. Zwischen 2020 und 2025 fällt der NDVI um 46,6 %, konsistent mit dem Übergang von einer bewachsenen zu einer technisch überformten Oberfläche. Der BSI steigt entsprechend, was auf eine offen liegende, stabile Oberfläche hinweist.


Die Landoberflächentemperatur ergänzt den Befund. Die Abdeckung folgt einem jahreszeitlichen Temperaturgang, hebt sich aber wärmer von einer bewachsenen Umgebung ab. Das ist konsistent mit einer offenen technischen Deponieabdeckung. In den ausgewerteten Vegetations- und Temperaturdaten ist eine erkennbare ökologische Regeneration bislang nicht sichtbar.


Die technischen Arbeiten sind sichtbar abgeschlossen. Die ökologische Folge, die auf eine sanierte Deponieabdeckung üblicherweise folgen soll – Vegetationsaufbau und Abkühlung der Oberfläche – ist in den ausgewerteten Daten noch nicht erkennbar. Der Befund ist damit keine binäre Bewertung, sondern ein differenzierter Teilbefund: technisch umgesetzt, ökologisch noch offen.
Drei von 5.705
Diese drei Standorte sind eine Stichprobe. Sie zeigen, wie unterschiedlich ein datenbasierter Bodenbefund ausfallen kann: eine erkennbare Abweichung zwischen Projektstatus und Satellitenbild, eine klare Bestätigung und ein Teilergebnis, bei dem die technische Umsetzung sichtbar ist, die ökologische Entwicklung aber noch nicht.
Dieselbe Pipeline lässt sich auf alle Projekte anwenden, für die ein Standort oder eine Fläche verortbar ist. Sie zieht eine mehrjährige Satellitenreihe über die Fläche eines Projekts und misst, welche Veränderungen am Standort sichtbar sind.
Die Methode hat Grenzen, die explizit ausgewiesen werden. Manche Ergebnisse liegen unter dem, was diese Satelliten auflösen: ein einzelnes saniertes Gebäude, eine Prozessänderung in einer Fabrikhalle, eine technische Komponente im Inneren einer Anlage. Wo die räumliche, spektrale oder zeitliche Auflösung keine belastbare Aussage erlaubt, wird kein Befund behauptet.
Wofür das gut ist
Für jedes dieser Projekte liegt ein berichteter Status vor: abgeschlossen, laufend oder geliefert. Unabhängige Satellitendaten prüfen diesen Status gegen sichtbare Veränderungen am Standort. Die drei Fälle zeigen die Bandbreite möglicher Ergebnisse: eine klare Bestätigung in Spanien, eine sichtbare Lücke zwischen berichteter Fertigstellung und Satellitenbefund in Frankreich, ein Teilergebnis in Kroatien.
Für Investoren und Datenanbieter wird Green-Bond-Reporting mit standortbezogener Evidenz angereichert. Für Banken, Versicherer und Prüfer entstehen Plausibilitätsindikatoren, dokumentierte Standortbefunde und Hinweise auf vertiefenden Prüfbedarf, bevor ein Projektstatus zur Entscheidungsgrundlage wird. Für Förderstellen entsteht ein unabhängiger Monitoring-Layer über große Projektportfolios.
Das Ergebnis ist ein nachvollziehbarer Evidenzstrom: von der Rohaufnahme über die Messlogik bis zum dokumentierten Befund. Er basiert nicht allein auf projektseitigen Angaben, sondern ergänzt diese um unabhängige, datierte Beobachtungen.
Wird ein Projektstatus zur Entscheidungsgrundlage?
Wir prüfen einzelne Standorte oder ganze Portfolios gegen die Satellitenaufzeichnung – nachvollziehbar von der Rohaufnahme bis zum Befund.
Sprechen Sie mit unsMethoden & Quellen
Die Analyse nutzt Sentinel-2-Bilder mit Spektralindizes wie NDVI, NDWI und BSI, die ECOSTRESS-Landoberflächentemperatur und ein hochauflösendes digitales Geländemodell mit einem HAND-basierten Hochwasser-Screening.
Es handelt sich um deterministische Fernerkundungsmessungen. Maschinelle Lernmodelle sind nicht beteiligt.
Wo die Daten nur eine Tendenz hergeben, lautet die Formulierung „konsistent mit" und nicht „bewiesen". Die Hochwasserebene ist ein topografisches Screening, kein hydraulisches Modell. Diese Zurückhaltung gehört zur Methode.
Programmzahlen: NextGenerationEU Green Bonds, Berichtszeitraum 2024, Europäische Kommission.
Unterstützt von AWS, austria wirtschaftsservice, FFG, XPLORE, dem NVIDIA Inception Program und Google for Startups.
LuLarge ist der Erdbeobachtungs-Datendienst von Open Beta.
Ein schlanker Evidenzstrom – transparent, rückverfolgbar, analysebereit.



